Karl Nolle, MdL

Sächsische Zeitung, Seite 5, 22.09.2017

Sachsen LB: Sachsen lässt Giftpapiere verkaufen

 
Der US-Immobilienmarkt hat sich erholt. Deshalb trennt sich die Landesregierung vorzeitig von Risiken der alten Sachsen LB. Sie hofft auf weniger Verluste.

Dresden. Der sächsische Steuerzahler darf auf weniger Verluste durch das Sachsen-LB-Debakel hoffen. Das hängt jedoch in den kommenden Monaten vom Geschick einiger Investmentbanker ab.

Unter dem Strich haben die Sachsen bislang mit 1,54 Milliarden Euro für die Abenteuer der früheren Landesbanker am internationalen Kapitalmarkt bluten müssen. Mit Beginn der Finanzkrise im Spätsommer 2007 musste das Geldhaus quasi über Nacht verkauft werden. Es war nicht mehr liquide genug, um die zweistelligen Milliardensummen abzusichern, mit denen eine Banktochter in Dublin jahrelang spekuliert hatte.

Die Banker operierten mit Derivaten, in denen etwa Ramschhypotheken auf US-Billighäuser, Studentenkredite, Autokredite, Ratenkredite oder Kreditkartenschulden gebündelt und in Wertpapiere transformiert worden waren. Dabei häufte die Sachsen LB in Dublin kurzfristige Verbindlichkeiten von 17,3 Milliarden Euro an. Das gesamte Paket dieser später als „Giftpapiere“ bezeichneten Produkte summierte sich gar auf 40 Milliarden Euro.

Sachsen verpflichtete sich einige Monate nach dem Verkauf seiner Landesbank an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), mit 2,75 Milliarden Euro für die zu erwartenden Verluste geradezustehen. Bislang waren die Papiere bis zum Ende ihrer Laufzeit gehalten worden.

Damit ist nun Schluss. In dieser Woche habe man mit dem generellen Verkauf der noch vorhandenen Papiere begonnen, bestätigte das sächsische Finanzministerium auf Anfrage. Nach SZ-Informationen handelt es sich um ein Nominalvolumen in Höhe von etwas mehr als vier Milliarden Euro. „Aufgrund eines aktuell positiven Marktumfeldes“ habe man sich nach intensiven Gesprächen mit der LBBW entschlossen, mit dem Verkauf der Wertpapiere zu beginnen. Dies geschehe, „um künftige Verlustrisiken zu minimieren“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Gößl.

Oder anders: Die Landesregierung hofft, mit dem jetzt gestarteten Verkauf weniger Verluste zu machen als 1,21 Milliarden Euro. Denn mit so viel Geld garantiert Sachsen noch für die Risiken aus den Kreditderivaten.

Zur Höhe des erwarteten Verkaufserlöses, zu den Käufern, den Modalitäten oder zur Dauer des Verkaufsprozesses äußerten sich weder das Ministerium noch die LBBW. Solche Transaktionen unterlägen der Verschwiegenheit, hieß es.

Zuständig für den Verkauf der Sachsen-Papiere ist das New Yorker Investmenthaus Neuberger Berman. Es hat unter anderem Niederlassungen in London und Frankfurt am Main. Bis zum totalen Finanzcrash 2008 gehörte Neuberger Berman zur Investmentbank Lehman Brothers.
Von Ulrich Wolf

Artikel-URL: http://www.sz-online.de/sachsen/sachsen-laesst-giftpapiere-verkaufen-3779376.html

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