Karl Nolle, MdL

DNN, 05.08.2000

Dresdner Unternehmer Nolle ruft Arbeitgeberverbände zu Entschädigung auf

Bisher beteiligen sich 56 sächsische Firmen an der Stiftung für NS-Zwangsarbeiter
 
DRESDEN. "Es ist einfach beschämend". Hart urteilt der Dresdner Druckereiunternehmer und SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle über die bisherige Beteiligung sächsischer Firmen am Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter in der NS-Zeit. In einem Schreiben an 45 Arbeitgeberverbände und die Kammern in Industrie, Handel und Handwerk bittet Nolle, wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion) und zugleich Chef des Verbands der Druckindustrie in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, deshalb um einen symbolischen Spendenbeitrag. Der Druckverband wird Nolle zufolge 5.000 Mark beisteuern. Bis gestern waren der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft in Berlin nach deren Angaben 56 sächsische Firmen beigetreten: 24 aus dem Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. 18 und 14 in den Kammerbezirken Leipzig und Chemnitz. Allein der IHK Dresden gehören 74 000 Betriebe an. 3,2 Milliarden Mark sind bislang bundesweit bei der Berliner Stiftung eingegangen. "Immer noch deutlich zu wenig", so Michael Herms von der Stiftung. Christoph Krause, Geschäftsführer der Mitfahrzentrale Dresden, seit 10 Jahren aktiv, bedauert die Zurückhaltung vieler Unternehmen: "Das Erbe der deutschen Wirtschaft haben wir alle angetreten. Da gehört es dazu, dass wir auch zu den negativen Seiten der Deutschen Geschichte stehen. Es hat mich deshalb sehr geärgert, dass sich große Firmen sträuben“. Mit fünf Milliarden soll sich die deutsche Wirtschaft beteiligen. die gleiche' Summe steuert der Bund bei. Nach Unterlagen der Stiftung trat als erstes Unternehmen im IHK-Bezirk Dresden Ende März die Heidenauer J.H.K. Industrieservice Sachsen bei. Als erste Firma in Dresden folgte Mitte April die Feldschlößchen AG.

Keine Frage persönlicher Schuld
Nach Ansicht von Nolle. dessen Druckhaus nach eigenen Angaben 1000 Mark beisteuerte, betrachten zu viele Firmen die Entschädigung allein als Wiedergutmachung persönlicher Schuld und fühlen sich nicht angesprochen. Die Unternehmen sollten sich hingegen unabhängig davon beteiligen, ob sie selbst oder ihre Vorgänger Zwangsarbeiter eingesetzt haben: "Es geht um eine Schuld, die wir als Deutsche auf uns geladen haben", sagte er der DNN in seinem Verband höre er Aussagen, dass Nazi-Profiteure allein im Westen zu suchen seien, der Osten bereits genug Reparationen an die damalige Sowjetunion gezahlt habe. Nolle unterstützte eine Forderung der grünen Stadtratsfraktion in Dresden, dass die Stadt eine eigene. Entschädigungsstiftung gründen und jährlich eine Mark pro Einwohner einzahlen sollen. Nach Quellen des Stadtarchivs haben auch städtische Unternehmen Zwangsarbeiter beschäftigt (DNN berichtete). Unverständnis zeigt Nolle für die ablehnende Haltung der sächsischen FDP. Ihr Chef Holger Zastrow hatte argumentiert, eine solche Forderung mache jeden heute in Dresden lebenden Bürger zum Schuldigen. (Stefan Alberti)

HINTERGRUND:
Diese 24 Unternehmen (von 74.000!) aus dem IHK-Bezirk Dresden sind bisher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" beigetreten:
Apogepha Arzneimittel GmbH (Dresden) - Autohaus Pattusch (Dresden), - Best Western Airport Hotel (Dresden) - C.H. Schäfer Getriebe GmbH (Ahorn) - Dental-Kosmetik GmbH (Dresden) - Druckhaus Dresden GmbH - EHT Maschinensysteme GmbH & Co KG (Dresden) - Feldschlößchen AG (Dresden) - Getriebe Schäfer GmbH (Ohorn) - J.H.K. Industrieservice Sachsen GmbH (Heidenau) - Margon Brunnen GmbH (Müglitztal) - Mitfahrzentrale Dresden - R. Krautwald Maschinenfabrik GmbH - Radeberger Exportbierbrauerei GmbH - Radeberger Hybridelektronik GmbH - Rattei EDV-Service (Dresden) - S.V. Holding AG (Dresden) - Schmiedeberger Gießerei GmbH - Southwall Europe (Großröhrsdorf) - Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen - Steffen Söhner GmbH (Schlottwitz) - Systemonic AG (Dresden) - Versandhandel Stefan Schnitzer (Hoyerswerda) - Weher & Reik Schleifmittelwerke (Dresden)
QUELLE: STIFTUNGSINITIATIVE BERLIN (Stand 4.8.00)

(Der Verband der Druckindustrie in Sachsen/Thüringen/Sachsen-Anhalt ist am 10.8.00 als erster Arbeitgeberverband der Initiative beigetreten)