Karl Nolle, MdL

Sächsische Zeitung, 12.05.2001

"Ich hätte es gern gemacht"

Berhofer: Die PDS hat meine Kandidatur in Dresden verhindert
 
DRESDEN. "Ich will das ganz locker machen“, sagt der virtuelle Kandidat Wolfgang Berghofer. Für eine Stunde wird er im 15. Stock des World Trade Centers zur Realität. Aber nur, um sich offiziell von der Kandidatur bei der Dresdener Oberbürgermeisterwahl am 10. Juni zu verabschieden.

„Ich stehe nicht zur Verfügung." Das war's. Über ein Jahr hatte Berghofer als Geisterkandidat allein durch die Frage ob er kandidiert oder nicht im Dresdner OB-Wahlkampf für Spannung gesorgt. Da schwang schon Resignation mit in seiner Stimme und auch Bitterkeit. So locker, wie er vielleicht sein wollte, war er nicht. Berghofer machte den Eindruck, dass er sich lieber als Kandidat vorgestellt hätte. „Ja, ich hätte es gern gemacht", gibt er zu. „Aber ich bin jetzt auch erleichtert, dass ich mich dagegen entschieden habe."

Ausgerechnet die Partei, die ihn immer als ihren Wunschkandidaten herausstellte, macht er für seine Entscheidung verantwortlich: die PDS. Mit ihrem Beschluss vom 28. April, Berghofer zu unterstützen, habe sie seine Kandidatur unmöglich gemacht. „Ich konnte kein Kandidat einer Partei sein, weder von der SPD noch von der PDS, vor allem nicht der PDS", sagte Berghofer. "Es würde meinem Lebensweg widersprechen, als Kandidat der PDS anzutreten." Seine Austrittserklärung vom Januar 1990 gelte noch. "Das wäre das völlig falsche Signal an die Öffentlichkeit gewesen", sagte er weiter. "Und es wäre auch nicht fair gegenüber den PDS-Wählern gewesen. Meine Auffassung von Wirtschaft stimmt nicht mit der der PDS überein." Seine Wahlchancen hätten nicht schlecht gestanden, glaubt Berghofer. „Aber mit dem Mandat der PDS sinken sie, weil große Teile der konservativen Wählerschaft dann das kleinere Übel gewählt hätten." Und selbst für den Fall eines Sieges trotz PDS-Unterstützung „hätte ich im Stadtrat keine Mehrheiten für meine Ziele gewinnen können". Dazu gehörten etwa die Privatisierung städtischer Betriebe, womit er der FDP näher steht als Ingolf Roßberg, obwohl der FDP-Mitglied ist.

Ohne die PDS wäre er angetreten. Seine Mannschaft für den Wahlkampf stand, gut 200 000 Mark hätte er aus eigener Tasche bereitgestellt. Gespräche mit PDS-Politikern habe er geführt, „aber ich konnte sie nicht von ihrer Meinung abbringen. Ich habe offen gesagt, stellt euren eigenen Kandidaten auf, anstatt auf eines fremden Mannes Arsch durchs Feuer zu reiten."

Für OB Herbert Wagner fand er freundlichere Worte. „Dass er ein anständiger Mann ist, weiß ich seit der Wende, und das ist ja heute schon ein seltenes Gut. Dass er nicht die stärkste Führungspersönlichkeit ist, weiß man allerdings auch." Dresden habe alle Möglichkeiten, in die Champions League der Städte aufzusteigen. "Dafür muss die Stadt aber ihre Chancen nutzen, das geht nur mit straffer Führung."
(Markus Lesch)