Karl Nolle, MdL

Sächsische Zeitung, 12.03.2002

Dresdner SPD droht Aus im Bundestag

Landesliste: Parteichefin Krehl verbannt Bewerber der Elbestadt auf hintere Plätze
 
DRESDEN. Die Aufstellung der Landesliste für die SPD-Kandidaten zur Bundestagswahl hat heftigen Streit unter den Sozialdemokraten ausgelöst. Der Grund ist ein Personalvorschlag, den sich die sächsische SPD-Chefin Constanze Krehl am Wochenende vom Parteirat bestätigen ließ. Demnach steht mit der Dresdner Landtagsabgeordneten Marlies Volkmer die erste Kandidatin aus der Landeshauptstadt erst auf Platz zwölf. Der zweite Dresdner Bewerber, Juso-Chef Martin Dulig, muss mit Platz 15 vorlieb nehmen. Als relativ sicher für den Einzug in den Bundestag gelten nur die ersten acht Listenplätze. Unzufriedenheit herrscht auch im Unterbezirk Aue/Zwickau, weil dessen Bewerber Andreas Weigel nur auf Platz zehn rangiert.

Der Vorwurf an Krehl lautet, sie habe sich nur für amtierende Mandatsträger stark gemacht. Tatsächlich stehen auf den vorderen Plätzen ausschließlich aktuelle SPD-Bundestagsabgeordnete wie Rolf Schwanitz, Barbara Wittig, Gunter Weißgerber, Simone Violka, Gerald Thalheim, Christian Müller, Jelena Hoffmann und Rainer Fornahl, die vorrangig aus den Regionen Chemnitz und Leipzig stammen. Allein in den beiden Unterbezirken Dresden und Aue/Zwickau, die künftig nicht mehr durch eigene Abgeordnete im Bundestag vertreten sein könnten, sind aber ein Viertel der 5 000 SPD-Mitglieder in Sachsen eingeschrieben. Constanze Krehl verteidigte gestern dennoch ihren Vorschlag. Mit Verweis auf die aktuellen Abgeordneten aus Sachsen erklärte sie, es gebe keinen Grund dafür, „hervorragende Fachleute mit hinteren Plätzen abzustrafen“. Zudem bestünde auf einer Landeswahlversammlung im April noch die Möglichkeit zu Änderungen.

Im Landesverband regt sich unterdessen offen Kritik. „Landeslisten sollen ein Spiegelbild von Toleranz und Vielfalt sein. Ich bin mir nicht sicher, ob sich diese Erkenntnis bei der jetzigen Reihung genügend wiederfindet“, gab der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle allen Unzufriedenen als Erster öffentliche Rückendeckung.
(SZ/gs)