Karl Nolle, MdL

DNN, 17.02.2001

Ingolf Roßberg geht ins OB-Rennen

FDP-Politiker tritt als OB-Kandidat der Bürgerinitiative an
 
DRESDEN. Seit gestern haben die Dresdner am 10. Juni wirklich die Wahl: Ingolf Roßberg (FDP) ist der erste Herausforderer des amtierenden Oberbürgermeisters Herbert Wagner (CDU). Nach einem "Wechselbad der Gefühle", wie Roßberg gestern sagte, beendete er sein mehrwöchiges "Ja-vielleicht-aber-so-nicht-oder-doch-vielleicht?-Spiel", mit dem er vor allem seine potenziellen Wähler zunehmend verärgert hatte.

"Ja, ich trete als unabhängiger, parteiunabhängiger Kandidat der Bürgerinitiative "OB für Dresden" an", schaffte Roßberg Klarheit. Morgens zunächst in Wuppertal, wo er seit September als Beigeordneter für Stadtentwicklung tätig ist. Nachmittags in Dresden, seiner Heimatstadt. "Meine Verbundenheit zu Dresden hat großen Anteil daran, dass ich wieder zurück in meine Heimatstadt will", sagte der 39-Jährige. "Und vielleicht ist es ja jetzt an der Zeit, dass ein gebürtiger Dresdner hier OB wird", fügte der Dresdner lächelnd hinzu. Auch für die Bürgerinitiative war Roßbergs Heimspiel ein wichtiges Auswahlkriterium. "Es wäre ein Nachteil gewesen, wenn wir jemanden von Außen hätten einfliegen müssen, der zwar fachlich kompetent, aber mit der Stadt nicht vertraut ist", sagte Initiativ-Mitglied Dietrich Herrmann.

Ein detailliertes Wahlprogramm könne er zu diesem frühen Zeitpunkt zwar noch nicht bieten, bat Roßberg um Geduld. "Aber mein Programm wird ,Zukunft für Dresden' heißen", kündigte er zumindest schon den Arbeitstitel an. Integration, Kommunikation, Ehrlichkeit, Offenheit, Bürgernähe, Förderung von Kunst und Kultur - vorsichtig skizzierte er Eckpunkte seiner Politik. "Über allem steht: Zuerst geht es um die Stadt, dann um Parteipolitik." Welche Parteipolitiker der Opposition bei seiner Kandidatur hinter ihm stehen - SPD, PDS oder Grüne - dazu blieb Roßberg selbst gestern ebenfalls kurz angebunden. "Ich stehe nur parteiübergreifend zu Verfügung." Deutlich gelitten hat sein Verhältnis zur eigenen Partei, sowohl in Wuppertal als auch in Dresden. "Meine Kandidatur ist eine Kandidatur ohne FDP, aber keine Kandidatur gegen die FDP", konterte Roßberg auf ein mögliches Partei-Ausschlussverfahren gegen ihn. Per Fax hatte Roßberg in der Nacht zum Freitag seinen Dresdner Parteibuch-Kollegen seinen Antritt kundgetan. Und damit offenbar ganz gezielt eine zeitliche Punktlandung hingelegt. Heute morgen kommen die Dresdner Liberalen im Carolaschlößchen zu ihrer Kreis-Mitgliederversammlung zusammen. Heute gibt's liberale Gewitter über Dresden, sagen Insider die politische Großwetterlage voraus.
(von Annette Binninger)