Karl Nolle, MdL

DNN, 10.10.2000

Berghofer: "Manches Ding muss reifen"

Kein klares Nein zur Kandidatur für OB-Wahl
 
DRESDEN. Er war der Stargast gestern Abend im Bürgersaal des Ortsamtes Altstadt, Dresdens Ex-OB Wolfgang Berghofer. Beim Runden Tisch Altstadt - einer von engagierten Bürgern 1996 gegründeten Gesprächsrunde - ging es nicht um die Oberbürgermeisterwahl 2001 in der Stadt, sondern um Möglichkeiten der besseren Mitwirkung in der Stadtplanung. Peter Dienel, Leiter der Forschungsstelle Bürgerbeteiligung und Planungsverfahren der Bergischen Universität Wuppertal, hielt dazu einen Vortrag. Doch seitdem Wolfgang Berghofer als möglicher Kandidat ins Spiel gebracht wurde, interessiert weniger seine Dresden-Erfahrung, weswegen er vom Runden Tisch eingeladen wurde, sondern vielmehr, ob er in Dresden bereit ist zu kandidieren.

In tiefblauem Diplomaten-Zwirn gekleidet, merkte man dem letzten SED-Oberbürgermeister von Dresden an, dass ihm die Frage schmeichelt. Mit einem klaren Nein wehrt er sie nicht ab. Statt dessen lässt Berghofer sich alle Türen offen und gibt sich diplomatisch: "Manches Ding muss reifen". Die Einladung des Runden Tisches zur Podiumsdiskussion als erste Vorstellungsrunde für eine mögliche Kandidatur? Dies wäre eine Fehlinterpretation.

"Ich habe viele Freunde in Dresden, die mich schon drängen", freut sich der ehemalige SED-Funktionär über die Wertschätzung. Seitdem der inzwischen parteilose Unternehmensberater in Berlin seinen Geschäften nachgeht, baten ihn die Initiatoren des Runden Tisches Altstadt auch als Wirtschaftsmann nach Dresden. Das freundliche Händeschütteln gestern im Stadthaus und das Interesse an seiner Person genoss Wolfgang Berghofer in voller Zügen.

Dresden sei für ihn nach wie vor eine wundervolle Stadt. Aber der wegen Wahlfälschung verurteilte Ex-OB Berghofer weiß auch, dass man ihn mit Komplimenten nicht so ohne weiteres an seiner einstigen Karriere als Kommunalpolitiker wird anknüpfen lassen. "Sicher wird man mir nachweisen wollen, was ich für ein krummer Hund war", sieht Berghofer voraus, womit er im Fall der Fälle rechnen muss. Möglicherweise hat er das Szenario vor Augen, wenn er sagt, "mir fehlt die Motivation". Doch seine Kandidatur definitiv absagen, wollte er gestern noch nicht.

Das Gespräch mit der Chefin der PDS, Christine Ostrowski, fand erst am späten Abend statt. Denn nachdem die SPD Karl Nolle zu ihrem OB-Kandidaten kürte, kann es nur die PDS sein, die Berghofer auf ihr Schild hebt.

Foto: OB-Kandidat der SPD Karl Nolle und sein möglicher Kontrahent Wolfgang Berghofer.

(von Brigitte Holland)

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