Karl Nolle, MdL

BILD-Zeitung Dresden, 16.06.2001

Berghofer: Biko sagte, ich soll nicht antreten

Der erste Auftritt als OB-Kandidat
 
DRESDEN. Souverän betritt er das Restaurant „Chiaveri„ im Landtag. Lächelnd wie immer, dunkler Anzug selbstbewusst: Wolfgang Berghofer (58, parteilos). Der frühere SED-Oberbürgermeister, der noch einmal zur Wahl antritt - gestern die erste Pressekonferenz.

Erste Frage: „Am 11, Mai sagten Sie: Ich kandidiere keinesfalls - auch nicht in einer möglichen Nachwahl. Warum jetzt?" Berghofer weicht erst aus. Dann: „Intern habe ich immer gesagt: Wenn es im ersten Wahlgang keine Entscheidung gibt, überlege ich mir das.“

Im Mai sagte er noch: „Man kann nicht von den Westdeutschen erwarten, dass sie weitere Hunderte Milliarden in den Osten pumpen. Und dann danken es ihnen die Dresdner damit, dass sie eine rote Socke wählen."

Berghofer gestern: „Ich bin kein linker Kandidat." Eine Anspielung, weil er 1990 aus der PDS austrat, sich auch nicht als ihr Kandidat aufstellen ließ. Warum kandidieren Sie? Er grinst: „Ich will gewinnen. Alles unterhalb des Sieges macht mich zum Wahlkampfhelfer der CDU."

Weil viele glauben, er würde das „linke Wählerlager" zersplittern, so Gegenkandidat Ingolf Roßberg (40, FDP) die Stimmen wegnehmen. Berghofer bestreitet, im Ruftrog der CDU anzutreten.

Haben Sie mit Biedenkopf über Ihre Kandidatur gesprochen? „Ich bin mit Kurt Biedenkopf und seiner Frau seit 1987 eng befreundet. Aber wir habe vor der Wahl keine politisch relevanten Gespräche geführt." Auf Nachfrage gibt er aber zu: „Biedenkopf hat vor der ersten Wahl mit mir gesprochen. Gesagt, ich soll nicht kandidieren." Ein weiteres Gespräch gab es am „Wahlsonntag oder Montag darauf."

Haben Sie Geschäfte mit Familie Biedenkopf oder deren Freunden Heinz Barth oder Max Schlereth gemacht? „Nein, niemals." Auf Nachfrage: „Ja. Ich bin auch kostenlos im Learjet von Heinz Barth mitgeflogen. Kenne ihn aber nicht."

Was waren das für Geschäfte? Als ich noch Oberbürgermeister war, schloss der damalige Baudezernent mit Schlereth Optionsverträge über den Verkauf von Grundstücken in der Dresdener Innenstadt, der Neustadt und die Markthalle ab. Sie wurden später gekippt."

Nach einem Wahlsieg wolle er „mit allen kompetenten Vertretern aller Parteien" zusammenarbeiten. Seine politische Vergangenheit sei ein kompliziertes Problem, aber er habe nichts verborgen, sich zu seinen Fehlern bekannt. Zehn Jahre nach der Wende könne man damit umgehen". Fazit des ersten Auftrittes als OB-Kandidat: Optisch guter Eindruck. Was dahinter steckt, bleibt dubios. Die SPD-Konkurrenz meint: „Ein dröhnendes Nichts.“
(Dieter Schlüter)

Karl Nolle im Webseitentest
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